Alle wollen Tools. Immer. Je mehr, desto besser. Neu? Her damit!
Das könnte so ein Eindruck sein aus meinem Feed in diesem Medium hier – speziell, wenn es um „irgendwas mit KI“ geht. Oder um „Hacks“, „Cheat-Sheets“, „Short Cuts“. Kommentiere mit „Gib mir“, dann kriegst Du.
Das könnte auch ein Eindruck aus Trainings- und Seminarveranstaltungen sein, denn eine Erwartung erscheint in den Abfragen regelmäßig in den oberen Rängen: Ich möchte (neue) Tools mitnehmen.
Der Wunsch nach planbarer Beherrschbarkeit und Handhabbarkeit von Führung, Job, Herausforderungen? Wahrscheinlich ja.
Eine Garantie fürs Gelingen? Nein, nicht unbedingt.
Das Top-Tool und die „Geheimwaffe“
Wer kennt ihn nicht, den Spruch: „Wenn Dein (einziges) Werkzeug der Hammer ist, dann siehts Du in Deiner Welt nur Nägel.“
Übersetzt: Wenn ich DAS Tool habe (ich nenne jetzt keines, aber es könnten zum Besipiel Persönlichkeitsanalsysen sein oder eine ominöse „Geheimwaffe gegen xy“) werde ich nur nach Anwendungsmöglichkeiten für dieses Tool suchen.
Und im Zweifel werde ich dieses Tool auf so ziemlich alles anwenden was mir im Führungsalltag vor die Linse kommt, auch wenn es gar nicht wirklich passt. Egal und ausgeblendet: Ich habe nun mal dieses Ding (gelernt), also brauche ich Anwendungsfälle;-)
Derweil in der anderen Ecke des Raumes
Ich habe und kann eine (Un-) Menge von Tools, mein Werkzeugkoffer ist randvoll und schwer. Welches Ding nehme ich denn? Da war doch noch was?
Der eine Bremsfaktor voller Werkzeugkisten ist (natürlich stark verkürzt argumentiert): Bei einer Vielzahl von Tools (wahrscheinlich gibt es da eine kritische Grenze), vergesse ich die genaue Anwendung (da war doch was, wie ging das noch). Sicherheit und Routine sind in Ermangelung praktischer Anwendung flöten gegangen.
Ein andere Bremsfaktor ist: Die Qual der Wahl. Welches Tool ist denn nun für genau diese Situation das beste Tool? Während ich noch in der Werkzeugkiste suchend rumwühle, hat sich das Problem auf wundersame Weise von allein und ganz pragmatisch – ohne Tools – gelöst.
Geht auch so
Ja, man kann sehr gut führen und überleben auch ohne die Tools beim Namen zu nennen oder sie zu kennen. Vielleicht geht das dann sogar besser.
Wie ich darauf komme?
Nun, das war in einem 1:1 Führungskräftetraining mit einem wirklich sehr coolen Teilnehmer. Wir gehen – weil es Auftrag war – so die gängigen und besten Tools und Modelle durch, arbeiten intensiv.
Und so zur Halbzeit sagt der Mann: Bertold, das mache ich alles schon. Jetzt weiß ich auch, wie das heisst.
Bämm! Geht also auch so….
Und wieder: Konfuzius…
Versteht mich richtig. Ich habe nichts gegen Tools. Allerdings sind sie kein Selbstzweck für Jäger und Sammler, die gerne mit wichtigen Begriffen jonglieren und sich darüber definieren. Oder für ego-getriebene Trainer, Dozenten und Facilitatoren.
Wichtig ist immer auf dem Platz. Also das, was wirkt und das, was wirksam ist. Nicht die Menge.
Am wirksamsten wird’s dann, wenn ich mir klar über meine (Führungs-) Ziele bin. Das klingt einfach, ist es meist jedoch in der Praxis nicht – und doch so essentiell wichtig.
Wenn ich das weiß, wo ich hin will, kann ich mir nützliche und die im wahrsten Sinne des Wortes zielführenden Tools, Methoden etc. angucken und aneignen.
…und Kästner
Und damit es wirken kann, muss ich die Dinger auch anwenden – sonst bleibt es Eunuchenwissen. Im Werkzeugkasten und auf dem Tool-Museum machen die sich vielleicht ganz fein, die Tools. Das ist mir dann schlicht zu wenig;-)
Disclaimer
So toll die Tools auch sein mögen… es gibt betriebliche Umfelder in denen bestimmte neue, moderne oder ungewöhnliche Tools nicht begrüßt werden. (Haben wir noch nie so gemacht..).
Das ist dann ein kulturelles Thema. Aber auch dafür gibt es Tools und Methoden.