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Methoden – oder: Warum 2 x 2 = 5 irgendwie doch richtig ist…

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Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass so ziemlich alle – also so ziemlich alle mir bekannten – Modelle oder Theorien entweder aus 4 Feldern (Matrix), drei oder besser fünf Stufen bestehen oder sich als – mehr oder weniger griffiges – Akronym „abbilden“ lassen.

Die 4 Felder-Bande

  • Die gute alte Boston Matrix (nicht die Band)
  • Das Johari-Fenster (nicht zu verwechseln mit Shu-Ha-Ri)
  • Die Konflikt-Matrix (oder das Managerial Grid)
  • Die Eisenhower-Matrix (die mit dem wichtigsten Tool ever, dem Papierkorb)

Fünf Buchstaben (ohne Suppe, dazu bräuchte es mehr davon) und Pyramiden aller Art

  • Das SCARF-Modell (ein sehr gutes übrigens)
  • Die SAGES-Methode
  • Die Maslow-Pyramide

Ab 7 wird es spirituell (Chakren-Lehre und Spiral Dynamics) und ab 9 unheimlich: Konflikteskalation nach Glasl.  Darüber hinaus wird „esoterisch“ oder „gefährlich“: Die Bewusstseinsstufen nach Hawkins und ähnliche…

Bleiben wir bei dem Handhabbaren, bleiben wir bei 3 – 5.

Warum ist Fümpf Trümpf, warum so häufig drei?

Nun… unser Gehirn, so eine feine Sache das auch ist, ist eine ziemlich faule Socke. Und zusätzlich ist die Verarbeitungskapazität für Informationsbündel so irgendwo bei 5 plus/minus 2.

Zeitungen mit großen Buchstaben nutzen so etwas übrigens für sich und ihre Absichten.

Hyperkognition

Gen Z und andere ZeitgenossInnen mit der Aufmerksamkeitsspanne von Goldfischen (alte weiße Männer mit ungesund hohem Medienkonsum ausdrücklich eingeschlossen) kennen das: Hyperkognition, allein, wenn der Satz ein Komma hat.

Noch schlimmer: Gedankenstrich und Semikolon. Das führt zum Stack Overflow (habe ich mal von einem ITler gehört, dass es so was gibt).

Weniger ist also mehr, weil:

  1. Überschaubare Infopakete sind leichter zu verarbeiten und damit hoffentlich
  2. leichter zu merken und
  3. im Nachgang möglicherweise besser anzuwenden (weil 2)

Außerdem nicht zu unterschätzen und von praktischer Relevanz:

Ob der moderne Trainer oder Berater in A0 hochkant-analog (Flipchart) oder 16:9 Breitbild (PPT) arbeitet, knackige, eingängige und merkbare Inhalte sind angesagt.

Erstens ist es cool, wenn Du diese komplizierte und komplexe VUCABANI-Welt herrlich griffig und handhabbar darstellen und vermitteln kannst. Zweitens weiß dann jeder auch in dieser auf 4 Felder, fünf Stufen und eine zwei Dimensionen reduzierten Welt, wo er/sie ist.

Und wo die anderen sind. Die sind ja nach Sarte die Hölle – immer gut, das zu wissen:-)

Zurück zum eigentlichen Thema… was war das gleich noch?

Ach ja… Komplexitätsreduktion.

Ja, es ist im Prinzip eine gute Sache, die Komplexität zu reduzieren und wie oben angedeutet, damit zu arbeiten. Zu didaktischen und Darstellungszwecken.

Obacht – damit es gut wird

Allerdings sollten wir streng darauf achten, dass wir aus dieser Vereinfachung keine mechanistischen Konsequenzen und Ableitungen ziehen.

Erstens ist die Welt immer komplizierter und komplexer als das Modell (ok, einige wollen das einfach nicht glauben).

Zweitens sind diese Listen, Matrizen und die Einordung von Sachverhalten in selbige weder zeitlich stabil noch kontextunabhängig. Der praktische Nutzen im (Arbeits-)Alltag ist in der Regel begrenzt.

In 2 x 2 bis fünf Sätzen

Warum verwende ich dann doch häufig und gerne diese Modelle, Methoden und solch Gedöns?

  1. Weil es schön zum Flipchart passt – und ich nicht so schnell schreiben kann;-)
  2. Weil ich für das Thema interessieren kann und die Menschen meist neugieriger werden, was sonst noch so kommt, wenn es einach und gut verdaulich anfängt.
  3. Weil, wenn 2 passiert, jede(r) für sich tiefer in die Sache einsteigen kann. In seinem Tempo. In ihrem Kontext. Neugier eben. Und so lernt es sich leichter. Wenn nicht: Zumindest eine vewertbare Basisinfo bleibt im Sinn
  4. Wer selbst neugierig ist und (aus)probiert, sammelt Erfahrungen. Was für ihr/sie geht, was nicht geht. Dadurch entsteht Praxisrelevanz.

Alles zusammengenommen in einem Satz

Das ist, und so geht, Lernen.

(Jedenfalls verstehe ich das so.)