Fragen Sie jemanden – jemanden, der sich nicht auskennt!

Wir neigen dazu auf Experten zu hören. Wir hören ihnen zu, wir fragen sie und folgen gerne ihrem Rat. Weil sie eben Experten sind.

Es ist gut, Experte zu sein – davon mal ganz abgesehen. Es ist gut, sich in einem Gebiet hervorragend auszukennen, Expertise zu besitzen. Eine Spezialisierung hlft bei der Fokussierung. USP und so. Oder umgekehrt. Alles fein. Wirklich!

Nur… Was gut am Experten ist, kann gleichzeitig Hemmschuh, un-kreativ, wenig visionär und kaum disruptiv sein.

Warum?

Sie werden bei einem Problem oder einer Fragestellung normalerweise einen Fachmann für Ihr Fachgebiet wählen. Sind Sie zum Beispiel Händler, werden Sie eine Handelskonferenz besuchen (dort treffen Sie viele Experten) oder direkt einen Experten konsultieren. Das ist soweit so gut.

Der Haken:

Da der Experte sich hervorragend im Handel auskennt, wird er naheliegende Lösungen empfehlen. Lösung von Top-Playern Ihrer Branche; Best Cases sozusagen. Lösungen und Ansätze, die für Sie naheliegen – weil sie zum Handel passen. Sie werden also vermutlich alles das machen, was der Wettbewerb schon macht (oder der Experte meint, dass Sie das machen müssen), aber früher angefangen hat. So wird es schwer so etwas wie einen Quantensprung hinzulegen. Es wird eher so – ja, das machen wir dann auch.

Kein Experte, also blöde Fragen…

Der Nicht-Experte (jedenfalls ist er / sie kein Experte / keine Expertin aus dem Handel) hat vermutlich keine State-of-the-Art-Lösung in der Powerpoint-Präse für Sie. Er wird Fragen stellen. Blöde Fragen. Klar, ist ja auch kein Experte. Woher soll er das auch wissen?

Mooooment!

Aber genau durch diese (blöden und unbequemen) Fragen haben Sie die Chance nicht-naheliegende, innovative oder gar disruptive Ansätze oder Lösungen zu entwickeln. Dazu gehört Mut. Und eine Menge Arbeit. Mut, sich auf unbequeme Fragen einzulassen. (Überzegungs- und Entwicklungs-) Arbeit leisten, um diese Ideen voranzutreiben. Mut und Konsequenz, die Dinge nicht weiter zu verfolgen, die sich als nicht erfolgreich herausstellen.

Ein kluger Mensch hat einmal gesagt, dass das Wertvolle nicht die klugen (vorbereiteten) Antworten sind, sondern die Fragen.

Ein Tipp auf den Weg…

  1. Hüten Sie sich also vor naheliegenden, schnellen und pauschalen Antworten – auch wenn Sie von Experten kommen. Oder gerade dann.
  2. Begrüßen Sie scheinbar blöde Fragen und lassen Sie sie wirken.
  3. Wenn Sie nicht weiter kommen, fragen Sie Menschen, die keine bis wenig Ahnung von Ihrem Thema haben – und Fragen stellen.

 

 

(Beitragsbild: gratisography.com)