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Ein richtiger Scheiß-Job!

Hamburg. Früher Zug zum Termin. Zu früh, gerade am Wochenende. Die Laune entsprechend. Betriebstemperatur auf sehr niedrigem Niveau. Zu viele Leute. Zu wenig Schlaf.

Im Prinzip keine guten Voraussetzungen, wenn von der eigenen Performance abhängen kann, ob der begehrte Auftrag mit ins Rückreisegepäck kommt oder nicht. Und dann noch ein körperliches Bedürfnis verbunden mit wenig Zeit und einer latenten Abneigung gegen öffentliche WCs. Ja, es läuft rund heute.

(K)ein guter Ort…

Ich wählte dann die Option Bahnhof, ein Euro, Keller. Dort findet man rail & fresh. Tatsächlich unter diesen Umständen die beste Option. Kein Raum für Emotionen und bestimmt kein guter Ort um hier zu arbeiten, dachte ich, Scheiß-Job.

Umso überraschter war ich, als mir die dort arbeitende Frau fröhlich „Hallo, einen guten Morgen!“ zuwarf. Der Ton war fröhlicher und herzlicher als jeder andere an diesem Tag – die Bahnfahrt eingeschlossen. „Wussten Sie schon, dass wenn Sie den Wert-Bon beim nächsten Mal vor den Scanner halten nur nicht 50 Cent zahlen müssen? Aber erst scannen, dann die Münze einwerfen. Umgekehrt gehts nicht“. Freundlich, hilfsbereit, ehrlich. Oder: „Nehmen Sie diese Kabine, da habe ich gerade frisch sauber gemacht“ zu einem anderen Gast. Ein fröhliches „Guten Morgen“ zu jedem, der die Bezahlschranke passierte. Wie kann man bloß so gut gelaunt sein?

Respekt!

Ich war nicht lange da, aber dieser Besuch „unter Tage“ hat meinen Tag verändert. Und den nächsten auch. Jemand, der einen im wahrsten Sinne des Wortes „Scheiß-Job“ hat, ist mit mehr Freude bei der Sache als Millionen anderer, die es scheinbar besser haben. Ich mittendrin an diesem Morgen.

Und dieser jemand macht seinen Job mit Hingabe, einer richtig positiven Einstellung und bringt allen, die er / sie trifft den gleichen Respekt und die gleiche Fröhlichkeit entgegen – nd schafft es noch andere anzustecken? Respekt! Großer Respekt!

Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen, wenn Sie das nächste mal über Ihren „Scheiß-Job“ schimpfen. Vielleicht beginnt die Veränderung ganz leicht mit einer Änderung der Einstellung…