Experte vs. UnExperte – oder: Das Gute an fehlender Erfahrung…

Vor 4 Wochen empfahl ich in meinem Beitrag, jemanden zu fragen, der sich nicht auskennt. Zumindest nicht in dem Thema, der Branche, der Fragestellung, das bzw. die Sie gerade umtreibt.

Warum?

Weil er oder sie einen anderen Blick auf die Thematik, auf die Fragestellung hat – was erfahrungsgemäß zu einer deutlichen Horizonterweiterung in Verbindung mit einem erheblichen Erkenntnisgewinn führen kann.

Will heißen: Jemand, der nicht knietief in Ihrem (oder seinem) Thema steckt, also kein Experte ist, kann einen hervorragenden Beitrag zu Lösung Ihres Problems / Anliegens leisten. Weil… weil er üblicherweise nicht an den Stellen sucht, an den er sich auskennt; Stellen, an denen er immer sucht – mit Werkzeugen, die er beherrscht, und die er deshalb anwendet. Aufgaben und Probleme löst man selten mit den Mitteln (oder Leuten) mit denen man sie geschaffen hat – hat Herr Einstein schon damals richtig erkannt.

Ich finde eine richtig gute Lösung erst dann, wenn ich a) nicht nach ihr suche oder b) wenn ich nach etwas anderem suche. Man könnte das auch Serendipität nennen.

Der UnExperte!

So ungefähr verhält sich das mit dem Un-Experten (der hier übrigens nichts mit den Vereinten Nationen zu tun hat): Er ist nicht geprägt oder getrieben von seinen Erfahrungen, Ritualen und Gewohnheiten. Und weniger anfällig für „das hat bisher immer so funktioniert“. Vergleichbar mit dem im Zen gerne zitierten Anfängergeist – der Anfänger sieht 1000 Möglichkeiten, der Experte nur die eine Lösung. Oder etwas spielerischer: Das haben wir so noch nie probiert, also geht es sicher gut (Pippi Langstrumpf).

Woran erkenne ich einen UnExperten bzw. wie unterscheidet er sich von einem Experten?

Teil 1: Weshalb klassisches Expertenwissen zu hinteren Platzierungen führt

Teil 2: Und was bitteschön macht der UnExperte denn anders? So ziemlich alles…

Oder im direkten Vergleich:

  • Der UnExperte weiß, was er nicht weiß – und kommuniziert das auch so; der Experte kommt mit einem umfassenden Chartdeck und seiner Dicken-Eier-Präsentation.
  • Der UnExperte stellt Fragen, lässt Sie und Ihr Team erzählen – hört zu, macht sich Notizen; der Experte beruft sich nicht auf seine jahrelange Erfahrung in diesem Bereich und in vergleichbaren Projekten (aber, wie will man das vergleichen??)
  • Der UnExperte ist bereit, willens und in der Lage, das Know-How in Ihrer Organisation zu erkennen, abzuholen und freizusetzen; der Experte fährt am liebsten die Creme de la Creme seiner Einheit auf um Sie zu beeindrucken – die Sie nachher im Projekt sowieso nie wieder sehen, weil die Muggels den operativen Job übernehmen (wenn es um Change Requests gehts, sehen Sie allerdings wieder).

Fazit:

Mit UnExperten zu arbeiten ist un-üblich, non-kon-form, un-gewohnt und manchmal un-bequem – dafür erreichen Sie un-gewöhnliche und un-gewöhnlich gute Ergebnisse!

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