Ein altes Sprichwort sagt „jede Reise beginnt mit einem (ersten) Schritt“. Ich weiß nicht, wie alt dieser Satz ist. Ich habe auch nicht recherchiert von wem und aus welchem Kontext dieser Satz stammt. Ich war lediglich auf der Suche nach einer (mehr oder weniger) passenden Einleitung zum heutigen Beitrag
Überleitung
Mit den Schritten ist es so eine Sache. Klar, in der Regel gehen wir schrittweise vor. Alles auf einmal klappt bei größeren Vorhaben in der Regel nicht. Kleinere oder größere Sprünge sind manchmal zufälliger Natur und verkürzen die Zeit zum Ziel. Vorausgesetzt, man hat eines. Und hat es klar formuliert und klar vor Augen. Und idealerweise ist dieses Ziel auf dem eigenen Mist gewachsen.
Und da nähere ich mich tatsächlich mit großen Schritten dem Thema. Wir haben uns warmgelaufen;-)
Geht los!
Ein konkreter Fall aus meiner Praxis beispielhaft skizziert: Erfahrener Ingenieur, 18 Jahre im (noch aktuellen) Job, Produktmanagement, Stellenabbau, in einem halben Jahr ist Schicht im Schacht. Freisetzung mit Ansage, nicht ganz überraschend und rechtzeitig und gut ausgestattet mit einem finanziellen Paket für den „Neustart“ (oder so ähnlich) im Arbeitsmarkt – auch Outplacement genannt.
Standard? Standard!
Der gängige und standardmäßige Weg, das übliche Procedere: Stärkencheck (passiert in der Praxis dann doch nicht ausgiebig genug), Arbeitsmarktcheck, Unterlagencheck und -aufhübscherei, Headhuntercheck (optional), Bewerbungen raus, Bewerbungstraining, hoffentlich Einstellung. Puuuh, hat nochmal geklappt.
Daran ist im Prinzip nichts zu mäkeln. Das ist ein zweckmäßiges Vorgehen, wenn der Mensch sicher wieder in bekannten/vertrauten Umfeldern dasselbe (oder das Gleiche) bis zum (mehr oder weniger) wohlverdienten Ruhestand machen möchte. Sicherheit ist dabei die treibende Kraft.
Das hatte der Ingenieur (Mitte 40 übrigens) sich auch gedacht: Schnell wieder in einen Job, der die Butter in den Kühlschrank, den Kinder Schuhe und der Bank die Raten fürs Haus bringt.
Gute Fragen und gutes Fragen…
Die Frage in diesem Zusammenhang: Ist es das wirklich? Macht das glücklich? Ist das der einzige Weg – gradlinig, konsequent, aber suboptimal?
Es ist sehr menschlich, dass wir uns Situationen und damit Jobs suchen, die in gewisser Weise sicher und handhabbar sind – bekanntes Terrain sozusagen. Mehr vom Selben und grüßende Murmeltiere.
Alles neu? Kann, muss aber nicht – es lebe die Auswahl!
Ich will nicht sagen, dass in so einer Situation alles über den Haufen geworfen werden muss. Ich will sagen (und sage das auch): Bevor Du den (vermeintlich konsequenten und naheliegenden) nächsten Schritt gehst bzw. losgehst, schau mal, ob der Weg der richtige bzw. der beste ist. Das ist der sehr wichtige Schritt vor dem nächsten Schritt.
Bevor ich mich in Aktionismus stürze, kann ich einen Schritt zurückgehen und inne halten. Aktiv. Das haben wir dann auch gemacht. Ohne irgendwelche Stellenprofile oder Unterlagen. Ohne Zielfirmen.
Raus!
Wir haben uns auf eine Runde in der Natur verabredet, um die Dinge in Bewegung zu bringen. Wenn wir in Bewegung kommen – außerhalb der vertrauten Situation in geschlossenen Räumen – öffnen sich fast wie von allein Denk- und Handlungsspielräume. Dinge, die bremsend wirken und wirkten zeigen sich ebenso, wie die Dinge, die antreiben und motivieren. Wünsche, Motive, Werte zeigen sich – weil sie gesehen werden wollen.
Gutes Fragen, Zeit zum Nachdenken, Fenster der Stille, frische Luft im Hirn, die eine oder andere Notiz, Verwirrung, Klarheit.
Jenseits der linken Hirnhälfte und Logik und Analytik und Methoden
Diese Schritte vor dem Schritt sind nicht von Logik und Analytik und Methoden dominiert. Dieses Vorgehen war für den analytischen und sachlichen Ingenieur, der sehr strukturiert ist und diese Struktur auch von mir erwartet hat, eine große Herausforderung. Er hat sich glücklicherweise darauf eingelassen – das war nicht ganz einfach, muss ich zugeben;-)
Nach diesem Walk habe ich länger nichts von ihm gehört. Eigentlich sollten weitere Sessions folgen… die mit den Unterlagen und dem Bewerbertraining. Es hat gearbeitet. Aus der Verwirrung ist offenbar Klarheit entstanden. Das ging wie von allein – ohne mich.
Long time no hear…
Als er sich wieder gemeldet hat, haben wir etwas an den Unterlagen gefeilt. Und dann irgendwann ging es um die Vorbereitung auf das Gespräch bzw. die Gespräche. Beides ging ratzfatz – das Ziel war klar. Nicht nur im Kopf, sondern auch Herz und Bauch waren dieser Ansicht.
Wieder ging etwas Zeit ins Land. Eine Mail: Ich habe den Job!
Botschaft und die Moral von der Geschichte…
Einige Monate später, ich hielt einen Vortrag zu „Besser Entscheiden“, hatte ich zwei Überraschungsgäste: Der Ingenieur und seine Frau waren extra aus dem Norden (Küste und so) angereist.
Norden? Der Schritt vor dem Schritt hat einiges „durcheinander“ gebracht. Beide haben sich an die Liebe zum Meer, zum Wassersport und der Musik erinnert. Und haben das, was erst als Krise schien, für einen sehr konsequenten Schritt für Job und Umfeld auf einem neuen (aber eigentlich doch bekannten) Weg genutzt.
Langer Rede kurzer Sinn: Das Ergebnis hätte selbstverständlich auch sein können, dass der „alte“ Weg auch der neue Weg ist. Und ja, Garantien fürs Gelingen gibt es auch hier nicht. Allerdings ist die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich höher, weil der Antrieb und die Motivation ganz andere sind. Insofern ein Plädoyer für den Schritt vor dem Schritt.
Ein Einzelfall aus meinem Nähkästchen? Nein!
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Das Kleingedruckte und sachdienliche Hinweise:
- Dieser Beitrag ist bei der Erstellung durch keine KI zu Schaden gekommen.
- Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion unterliegen meiner Kreativität und Aufsicht.
- Kann Spuren von Ironie, Humor (homöopathische Dosen) und eigenen Ideen (nennenswert) enthalten.